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Das Bild Polens und der Polen in der deutschen Literatur und in den Medien PDF Print E-mail
Written by Daniel Boruta   
Friday, 04 March 2011 19:38

1. Die Einleitung

„ Literatur ist ein Fenster, durch welches ein Volk

einem anderen in die Augen schauen kann „ Karl Dedecius

 

Viele junge Deutsche besuchten in den letzten Jahren Polen. Es waren sowohl deutsche Jugendliche als auch junge erwachsene Dichter oder Schriftsteller, die das Nachbarland privat kennen lernten oder im Rahmen einer Projektarbeit sich engagierten. Und so entstand z.B. das Buch von Radek Knapp Gebrauchsanweisungen für Polen oder das Buch von Steffen Möller Viva Polonia. Die Autoren beschreiben bekannte oder weniger bekannte Orte, spezifische Eigenschaften des Landes oder wichtige Ereignisse aus der deutschpolnischen Geschichte. Ihre Behauptungen über Polen entstanden manchmal auf Grund sehr subjektiver Beobachtungen. Sie beschreiben humorvoll und sehr interessant Polen, unsere Traditionen, Sprache und die Leute.

Man sollte an dieser Stelle erwähnen , dass Karl Dedecius die polnische Literatur in die Bundesrepublik brachte und keiner hat für die Verständigung zwischen Polen und Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg mehr getan als Günter Grass.

Die deutsch-polnische Beziehungen haben sich in den letzten zwölf Jahren so gut wie nie in den letzten 200 Jahren entwickelt. Ein demokratisches Deutschland und ein freies Polen sind erstmals politische Freunde. Nach Moritz Küpper Meinung in seinem Buch Eine Reise zum Nachbarn wird sich das Polenbild durch positiven wirtschaftlichen Veränderungen im Lande verbessern.

2. Städtebilder

Polen gilt für Deutschland als ein Land mit schöner Natur und einigen bedeutenden Städten , wobei auch die Masuren und Schlesien oder Danzig und Breslau für viele Deutsche noch stärker mit ihrer Geschichte und Kultur als mit Polen verbunden werden und z.B. städtebauliche Perlen wie Thorn -/Torunń oder Zamość unbekannt sind.

Wenn Warschau das Hongkong Osteuropas ist, so ist Krakau sein Wien. Von vielen Dichtern wurde Krakau als Kulturkneipe bezeichnet. Im ehemaligen jüdischen Viertel stehen zwei richtige Kunstkneipen : Alchemia und Singer und auf dem Krakauer Markt wurden viele neue Kneipen eröffnet. Denn: Wo die Tinte fließt, fließt auch Wein. Die Kneipen sind immer voll. Es scheint so, als wären die Tiere in Krakauer ZOO die einzigen, die abends zu Hause bleiben.

Es ist geradezu logisch, dass sich die Kultur und die Künstler im Krakauer Klima wohl fühlten. Auch die beiden Literaturnobelpreisträger, Czeslaw Milosz und Wislawa Szymborska haben sich für Krakau entschieden.

3. Literarische Bilder vom Land Polen und von polnischen Menschen

Der junge deutsche Schriftsteller Radek Knapp beschreibt in seinem Buch Anweisungen für Polen humorvoll und sehr interessant das Land und die Leute. Im Mittelalter wurde Polska durch eine Frau symbolisiert.

Während in Deutschland die Sage von Siegfried bekannt war, erzählte man in Polen die Legende von der schönen Wanda , die einen schwarzen Ritter aus Deutschland nicht heiraten wollte und in die Fluten der Weichsel sprang. Es war ein Zeichen dafür, wie weit die Polen zu gehen bereit waren, wenn ihre Freiheit bedroht wurde.

Die erste Strophe der polnischen Nationalhymne : Noch ist Polen nicht verloren, klingt voller Patriotismus. Kein anderer Staat in Europa verschwand in den letzten zweihundert Jahren so oft von der Karte Europas, um dann doch wieder aufzutauchen.

Die Polen sind passionierte Neinsager, leidenschaftliche Dichter, geborene Schwätzer und tapfere Leute wie z.B. die Schwester von Frederik Chopin, die das Herz ihres berühmten Bruders über mehrere Grenzen unter dem Rock geschmuggelt hat.

Polen sind Meister der Improvisation. Planen hat keinen Charme, Improvisation ist sexy. Denn wer improvisieren kann, ist spontan und flexibel.

4.Polnische Traditionen

Traditionen sind heilig. Weihnachten und Ostern verbringt 98 % der Bevölkerung im Familienkreis.

Der schönste kirchliche Feiertag in Polen ist der erste November, also Allerheiligen. An diesem Tag besucht jeder Pole die Gräber seiner Angehörigen. Vor den Friedhöfen parken kilometerlange Autokolonnen und an diesem Tag werden tonnenweise Ewige Lämpchen und Blumen verkauft.

In Polen existiert immer noch eine Rendezvous- Kultur mit Blumen, genau festgelegtem Verabredungsritual und ungehemmten Küssen in der Öffentlichkeit.

5. Polnische Sprache

Die polnische Sprache gilt als eine der schwierigsten Sprachen der Welt. Für Westeuropäer klingt Polnisch rau und unfreundlich. Die polnische Sprache ist aber ungewöhnlich einheitlich. Es gibt nur wenige lokale Dialekte wie Oberschlesisch, Kaschubisch oder„Góralisch „ Ein Bewohner des nordwestpolnischen Stettin ist sprachlich nicht von einem Bewohner des ostpolnischen Lublin zu unterscheiden.

Polnisch gehört ebenso wie Deutsch und Französisch zur Familie der indogermanischen Sprachen. Und dort wiederum in den slawischen Sprachzweig. Die polnische Sprache ist jedoch eine weiche, plastische Sprache, die viele Wörter aus anderen Sprachen übernahm z.B.

Schlauch“ , „Schlafrock „ oder „ Flaschka „ Das Wort Niemcy kommt von niemy , was soviel wie stumm bedeutet. Im Mittelalter bezeichnete man die Deutschen als Stumme, weil sie kein Wort Polnisch sprachen.

6. Denkwürdige Karrieren

Jeder in Wien kennt den polnischen König Jan Sobieski, der Europa 1683 von der türkischen Übermacht gerettet hat.

Der zweite denkwürdige polnische Karriere ist die von Tadeusz Kociuszko . Er ließ sich als Ingenieur in die amerikanische Freiheitsarmee aufnehmen, nahm an der legendären Schlacht um Saratoga teil. Dann kehrte er nach Europa zurück und stemmte sich jahrelang erfolgreich gegen die russische Besatzungsmacht.

Maria Skłodowska –Curie, eine junge schweigsame Frau, beschloss eines Tages, nach Paris zu fahren, um Physik zu studieren. Sie wurde nicht nur eine der ersten Frauen, die die Sorbonne mit Auszeichnung absolvierten, sie machte auch als eine der ersten Frauen in Frankreich den Führerschein. Im Ersten Weltkrieg rettete Maria Skłodowska –Curie Tausenden von Menschen das Leben. Sie bekam als erste Frau den Nobelpreis für Chemie und Physik.

7. Stereotypen

Während die Polen Meister in der Kunst sind, bauen die Schwaben die besten Autos der Welt.

Wenn an der Uni ein Professor eine brillante Idee verkündet, dann verlieben sich die deutschen Studentinnen in die Idee, die polnischen in den Professor.

In Polen gilt es als primitiv, sich laut in der Öffentlichkeit zu unterhalten. Familienstreits im Supermarkt oder Meinungsverschiedenheiten hat Steffen Möller, Autor des Buches Viva Polonia, nie erlebt. Das spielt sich fein zu Hause , hinter geschlossenen Türen ab.

Polen gehören zu den größten Einwanderergruppen, nehmen aber praktisch keinen Anteil am öffentlichen Leben im fremden Land. Warum? Ein Pole macht immer einen Schritt zurück, mustert die Leute misstrauisch, als ob sie ihm an die Brieftasche wollten.

Die Polen sind historisch, kulturell, religiös und sprachlich ein viel homogeneres Volk als etwa die Deutschen. Sie lachen über die gleichen Witze, egal ob sie im Norden oder im Süden Polens wohnen.

8. Jugendaustausch

Eine große Rolle in den deutsch - polnischen Beziehungen spielt ein Schüleraustausch, die Jugendbegegnungen oder die Schulprojekte.

Welchen großen Einfluss auf die friedlichen Kontakte ein Jugendtreffen spielt , darüber schreibt man in der Badischen Zeitung, in den lokalen Zeitschriften oder in einem Dialog. Ein Jugendaustausch ist oft durch Deutsch – polnisches Jugendwerk finanziell unterstützt. Damit will man das Verständnis füreinander verbessern, Vorurteile überwinden und zur Versöhnung zwischen Deutschen und Polen beitragen.

Die Jugendlichen haben Möglichkeit, fremde Kultur, Sitten und Mentalität besser kennen zu lernen.

9. Zusammenfassung

In Deutschland gibt es viele Vorurteile gegenüber Polen. Moritz Küpper in seinem Buch Eine Reise zum Nachbarn berichtet, dass das beste Heilmittel gegen falschen Bilder eine Reise zum Nachbarn ist. Durch objektive Informationen und positive Erlebnisse kann man negativen Stereotypen durch neue, positive ersetzten. Es bedarf aber Zeit.

Last Updated on Friday, 04 March 2011 19:45